Indikation und Aufenthaltsdauer
Das Angebot richtet sich an Menschen zwischen 16 und 35 Jahren mit Suchtproblemen und an Substituierte, die in der Lage sind, die Schule regelmäßig zu besuchen und den Anforderungen des Unterrichts nachzukommen.
Die Aufenthaltsdauer richtet sich nach dem angestrebten Schulabschluss:
Eingangsstufe für alle etwa 4 Monate und dann zusätzlich für
Hauptschulabschluss 1 Jahr,
Realschulabschluss 1-2 Jahre,
Fachhochschulreife 2 Jahre (schulischer Teil),
Abitur 3 Jahre.
Eingangsstufe
Sie ist die Vorstufe zu den Klassen 9 bis 13. Hier werden die Schülerinnen und Schüler schrittweise auf ihren weiteren Schulbesuch vorbereitet. Sie trainieren ein Verhalten, das für den angestrebten Schulabschluss notwendig ist. Achtmal im Jahr werden neue Schülerinnen und Schüler in das BZH aufgenommen. Alle besuchen zunächst vier Monate die Eingangsstufe.
Es gibt vier verschiedene Lerngruppen mit nur etwa 10 Schülerinnen und Schülern. Meist sind der Leistungsstand und die Vorkenntnisse unterschiedlich, daher bieten die Lehrkräfte auch innerhalb einer Gruppe verschiedene Lernmaterialien und Lernmethoden an. Ganz flexibel kann so auf alle eingegangen werden. Während der Eingangsstufe erleben die „Neuen“, ob ihr Vorhaben Schulabschluss realistisch ist, ob sie ohne Suchtmittel leben wollen und können, ob ihre Motivation und Disziplin ausreichen. Eventuell muss erst einmal eine stationäre Entwöhnungsbehandlung abgeschlossen oder eine Ambulante Rehabilitation begonnen werden. Die anderen werden je nach Schulstart im BZH jeweils nach den Schulferien im Sommer, im Herbst, an Weihnachten oder Ostern in die Klassenstufe umgestuft, die sie vor ihrer Zeit des Suchtmittelkonsums besucht haben.
Klassen 9 bis 13
Im Unterschied zur öffentlichen Schule findet der Unterricht in kleinen Lerngruppen statt, um auf Lerndefizite individuell eingehen zu können. In Klassen mit 8 bis 12 Schülerinnen und Schülern kann leistungsdifferenziert unterrichtet werden, so dass auch Einzelne optimal gefördert werden. Durch Vermittlung von Lernmethoden werden die Schülerinnen und Schüler befähigt, sich Lerninhalte zunehmend eigenständig zu erarbeiten. In der Lerngruppe erhalten sie - zur eigenen Einschätzung und als Orientierungshilfe für die weitere Schullaufbahn - regelmäßige Rückmeldung über Leistungen, Arbeits- und Sozialverhalten. Bei schulischen Krisen begleiten und unterstützen die 25 Lehrerinnen und Lehrer. Das Bildungsangebot ist dem der öffentlichen Schulen gleichwertig. Die Schülerinnen und Schüler nehmen an den zentralen hessischen Abschlussprüfungen teil.
Die Zeugnisse des BZH sind so gestaltet, dass ein Rückschluss auf die Suchtvergangenheit ausgeschlossen ist.
Jugend- und Suchtberatung im BZH
Die 6 Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter der in die Schule integrierten Beratungsstelle kooperieren mit den Lehrkräften, damit eine optimale Betreuung gewährleistet ist. Sie stehen den Schülerinnen und Schülern zur Seite. Gefährden Schwierigkeiten den Schulbesuch, so werden in Einzel- und Gruppengesprächen Lösungen gesucht. Im Mittelpunkt der Beratung stehen häufig Themen wie Sucht, aber auch Beziehung, Gefühle, Umgang mit Geld und Schulden und Bewältigung des Alltags. Fragen nach der beruflichen Zukunft werden in besonderen Veranstaltungen erörtert. Falls deutlich wird, dass eine Stabilisierung der Suchtmittelabstinenz im Rahmen des BZH nicht möglich ist, vermitteln die Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter in Entzugseinrichtungen und in weiterführende Hilfeangebote.
Stand: 10/2011